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26. April 2010 1 26 /04 /April /2010 07:58
24. April 2010, Neue Zürcher Zeitung

Legenden und Skandale rund um den Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner

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Der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner
(1880 bis 1938) (Bild: Kirchner Museum Davos)
Mit einer grossen Kirchner-Schau feiert das Frankfurter Städel-Museum ein Schwergewicht der klassischen Moderne. Ob ein Künstler ins Heldenpantheon der Avantgarde eingeht, hängt massgeblich davon ab, ob er skandalfähig war. Die moderne Kunstgeschichte ist untrennbar mit dem Begriff des Skandals verbunden.

Christian Saehrendt

 

Im Skandal reagiert die Gesellschaft auf Organisationen oder Personen, die entweder der allgemeinen Entwicklung vorauseilen oder hinter ihr zurückbleiben. Gesetze, Organisationsstrukturen oder Machtverhältnisse, politische Mehrheiten und Meinungsführerschaften können damit in Frage gestellt werden und einem Prozess der Anpassung unterzogen werden. Skandale können Reformen und Revolten auslösen, die Teilhabe neuer Gruppen an Macht und Repräsentation wird auf diese Weise initiiert. Insofern ist der permanente Skandal, der unentwegte Tabubruch, einerseits Bedingung, andererseits integraler Bestandteil der modernen Kunst gewesen. Ernst Ludwig Kirchners Leben und Werk lässt sich durchaus als skandalwürdig bezeichnen, wobei zu differenzieren ist, wer zu welcher Zeit etwas als Skandal empfand. In der Auflistung seiner skandalösen Eigenschaften zeigt sich die Rezeptionsgeschichte dieses Künstlers in Reinform.

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«Der Pädophile»: Jahrzehntelang störte sich niemand daran, dass die Brücke-Künstler minderjährige Mädchen, darunter die neunjährige Lina Franziska Fehrmann, genannt Fränzi, als Modelle ins Atelier bestellten (ein erotisch durchaus aufgeladener Ort, man denke nur an die zahllosen Maler-Modell-Verhältnisse) und in recht lasziver Pose malten, möglicherweise kam es sogar zu Handgreiflichkeiten. Von Fränzi existiert heute eine ganze Werkgruppe. Die Mädchen stammten aus einfachen sozialen Verhältnissen, Kirchner und die Brücke-Künstler waren hingegen Bürgersöhne. Erst in den letzten Jahren wurde diese Art von ästhetisch-erotischer Ausbeutung Minderjähriger problematisiert.

Der «Sittenstrolch»

«Der Exhibitionist»: FKK im Kaiserreich. Nackte Künstler und nackte Modelle am See rufen die Polizei auf den Plan – und die Brücke-Künstler müssen sich gegenüber einem gestrengen Pickelhauben-Wachtmeister verantworten. Ein seinerzeit in der Künstlervita gern zitierter Vorgang, der heute kaum noch Aufsehen erregen würde, damals aber das Prädikat eines «Sittenstrolches» einbringt – und nachträglich als «Revolte gegen die wilhelminische Prüderie» verklärt werden konnte.

 

«Der Absinthtrinker»: Rotlicht und Rausch in der Grossstadt, Künstlerleben am psychischen Limit – für die bürgerliche Klasse des Kaiserreichs, aus der Kirchner und Kollegen entstammten, ist deren Dresdner und Berliner Bohèmeleben ein Skandal. Heute sieht man das gelassener – im Gegenteil, der bis heute virulente Künstlermythos verlangt geradezu nach Kreativen, die (zumindest eine Zeitlang) über die Stränge schlagen. Künstler dürfen ruhig bedröhnt sein – solange man noch etwas wie Genie in ihre Werke hineininterpretieren kann.

Der «Drückeberger»

«Der Nuttenmaler»: Kirchners Berliner Strassenbilder gelten heute als Ikonen des Expressionismus. Als Augenzeuge des Nobel-Strassenstrichs an der Friedrichstrasse und am Potsdamer Platz ist er in die Geschichte eingegangen. Auch Table-Dance-Institute sowie Bordelle gehören zu den Orten, wo er sich Inspirationen holt. Für Kaiser Wilhelm war das buchstäbliche «Rinnsteinkunst»: unanständig und dreckig. Heute pflegt man Kirchners Bordsteinschwalben als wertvolles kulturelles Erbe. Gemälde wie «Der Potsdamer Platz» von 1914 wurden zum kulturhistorischen Berlin-Label par excellence....

 


 


Dr. Christian Saehrendt lebt als Kunsthistoriker und Publizist in Berlin.
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Published by Ernst Koch
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